Personalberater

Wie tickt ein Personalberater?

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Allgemein, Bewerbungen, Blog, Erfolg im Beruf, Interview

Allein in Deutschland gibt es laut einer Statistik des BDU 6.100 Personalberater in rund 2000 Firmen. Wolfram Tröger, Vorsitzender BDU-Fachverband Personalberatung, resümiert in der Computerwoche, dass 2015 jede zweite Position durch die kombinierte Suche der Personalberater über die Direktansprache, Anzeigensuche sowie die Nutzung von Social Media-Kanälen und Datenbanken besetzt wurde. Diese Suchmethode wird damit so häufig angewendet wie nie zuvor.

Mich hat interessiert, welche Erfahrungen Personalberater bei der Suche nach geeigneten Kandidaten machen und was das für die Leser meines Blogs bedeutet. Vor ein paar Tagen hatte Gelegenheit darüber mit Maik Lehmann, Partner bei ifp, einem Unternehmen für Personalberatung und Managementdiagnostik zu sprechen. Mit seiner über 50-jährigen Geschichte und über 100 Mitarbeitern ist das ifp heute eine der führenden Beratungen in Deutschland.

Herr Lehmann, bitte stellen Sie sich den Lesern kurz vor: Dr. Maik Lehmann, 50 Jahre. Mich interessieren Menschen und deren Biografien. Welches Potential tragen sie ihn sich, von welcher Vision und welchem Anspruch werden sie geleitet? Dieses Interesse hat mich vor knapp 10 Jahren in die Personalberatung geführt. Heute bin ich Partner und Mitinhaber bei ifp und berate unterschiedlichste Unternehmen bei der Besetzung von Schlüsselpositionen.

Wie suchen Sie nach Kandidaten?

Maik Lehmann: Bereits in den ersten Gesprächen mit meinen Auftraggebern fange ich an, mir ein Bild von der Persönlichkeit des gesuchten Kandidaten zu machen. Dann entwickle ich erste Ideen, überdenke in Frage kommende Kandidaten. Parallel dazu suchen wir in unserer Datenbank nach passenden Profilen. Das klappt unter anderem auch, weil ich langjährige Beziehungen zu meinen Kunden und den Kandidaten pflege -mit den meisten treffe ich mich von Zeit zu Zeit. So bleibe ich immer auf dem Laufenden, was die persönlichen und beruflichen Entwicklungen betrifft.

Sie haben den Eindruck gewonnen, dass immer mehr Menschen der über den reinen Gelderwerb hinausgehende Sinn bei der Arbeit verloren geht. Wie meinen Sie das?

Maik Lehmann: Ich lerne oft Menschen kennen, die sich in einer Orientierungsphase befinden. Häufig kündigen sich Umbrüche an. Meistens Menschen, die am Beginn der zweiten Hälfte der Berufstätigkeit stehen, nach 45. Dabei erlebe ich, dass Aspekte, die in der ersten Berufshälfte eine größere Rolle spielten, in den Hintergrund rücken. Also beispielsweise eine starke Wettbewerbsorientierung oder auch die berufliche und familiäre Existenz aufzubauen.

Die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen sinkt. Andere Aspekte im Beruf werden wichtiger – die Inhalte meiner Tätigkeit müssen mit mir selbst zu tun haben. Es muss mich zum Klingen bringen. Es braucht das Gefühl am richtigen Ort zu sein, gesehen zu werden. Häufig äußert sich das mittelbar, mehr über Unzufriedenheit und einer „diffusen Sehnsucht“ nach erfüllter Berufstätigkeit, die sich nicht klar fassen lässt. Begründet wird es dann oft recht oberflächlich und manchmal auch an der Sache vorbei: Mit der nicht mehr stimmigen Unternehmenskultur, der strategischen Ausrichtung des Unternehmens oder auch den mangelnden Freiräumen durch den Vorgesetzen.

 Gibt es Ihrer Erfahrung nach gute Umgebungen für Veränderungen?

Maik Lehmann: Natürlich gibt es Organisationsumgebungen und Kulturen, die persönliche Freiräume und persönliches Wachstum mehr unterstützen als andere. Letztlich ist jedes Unternehmen aber ein geschlossenes System, in dem ich mir Räume schaffen muss. Dafür sind Mut und ein beherztes Handeln wichtig.

Haben Menschen, mit bestimmten Charakterzügen eher den Drang sich zu verändern?

Maik Lehmann: Ich glaube, dass Menschen, die nah bei sich sind, die sich (noch) selbst spüren, grundsätzlich Veränderungen und Wachstum anstreben. Also Menschen, die eine starke instrinsische Motivation haben, die in sich gehen und ihre Werte hinterfragen, sind oftmals sehr an persönlichem Wachstum interessiert. Es ist ein Weg zunächst nach Innen, es geht um Klärung. Wer bin ich, was will ich. Dazu wird ein Prozess des sich „Bewusstwerdens“ durchlaufen.

Helfen Personalberater dabei?

 Maik Lehmann: Im Bestfall: ja! Aber das wird die Ausnahme sein. Personalberater verstehen sich häufig nur als Mittler, nicht als Berater oder Begleiter. Es gilt, den richtigen für die eigene Situation zu finden.

Hat sich der Blick auf Kandidaten verändert?

 Maik Lehmann: Ich sehe immer mehr, dass meine Kunden Interesse an Lebensläufen mit Brüchen haben. Brüche können Profil verleihen. Wenn ein Mensch sich aus einer schwierigen Situation entwickelt hat, bringt ihn das voran. Was ich selten beobachte ist, dass meine Kunden bereit sind, sich bei einer Schlüsselposition für einen Branchenfremden zu entscheiden. Das ist der Anspruch an den Personalberater: Finde eine passende Persönlichkeit mit Branchenwissen.

Können Sie einen Tipp hinsichtlich des CV geben?

Maik Lehmann: Häufig wird der Lebenslauf nicht zugespitzt und klar genug formuliert. Es fällt mitunter schwer, sich klar zu positionieren, einen Anspruch zu formulieren. Gerade wer einen Branchenwechsel anstrebt, muss seine Kompetenzen, seine Erfolge so beschreiben, das der Transfer dieser Erfahrungen in eine andere Branchenumgebung denkbar erscheint.

Beschreiben Sie einen typischen Prozess der Vermittlung in Ihrer Beratungstätigkeit.

Maik Lehmann: Nach einem ausführlichen Profil-Briefing beim Kunden sprechen wir mögliche Kandidaten an, die wir entweder schon kennen oder zielgerichtet aufgrund des Profils neu ansprechen und intensiv kennenlernen. Nur wenige empfehlen wir für vertiefende Gespräche bei unseren Kunden. Wenn es zwischen Kunde und Kandidaten „gefunkt“ hat, ziehe ich mich Schritt für Schritt zurück, stehe aber weiter als Begleiter und Ratgeber zur Verfügung.

Wie lange dauert der ganze Prozess?

Maik Lehmann: Das ist sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt 2 – 4 Monate.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Lehmann.

Zur Person:

Dr. Maik Lehmann, Volljurist. Nach Stationen in einer Großkanzlei und bei zwei DAX-Unternehmen, zuletzt 7 Jahre als Geschäftsführer, ist er seit knapp 10 Jahren Partner der führenden Personalberatung ifp, mit Sitz in Köln. Er berät unterschiedlichste Unternehmen und Organisationen bei der Besetzung von Schlüsselpositionen. Schwerpunkte sind mittelständische Unternehmen im Technologie-Umfeld, aber auch Medienunternehmen oder Stiftungen.

Zur Person:

Cornelia Bohlen,  Dipl. Kauffrau, Systemischer Coach, seit 2012 mit ihrem Unternehmen BerufsLeben als HR Beraterin, Personalentwicklerin sowie Businesscoach tätig. Zu ihren Kunden zählen Unternehmen, die ihre Mitarbeiter und Talente dort einsetzen möchten, wo sie nachhaltig den größten Beitrag zum Unternehmenserfolg leisten können. Sie begleitet Fach- und Führungskräfte auf ihrem Weg der beruflichen Weiterentwicklung und blickt auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als Führungskraft und Personalerin zurück.

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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