Bewerbungsgespräch

Mutmacher: Fünf Tipps, wie Sie jedes Bewerbungsgepräch meistern – Tipp 2

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Bewerbungen, Blog

Tipp Nr. 2 Seien Sie Sie selbst!

Es ist soweit, Sie haben es geschafft! Das Bewerbungsgespräch steht bevor. Hier nun Tipp Nr. 2 der Serie rund um das Bewerbungsgespräch. Dieses Mal lege ich den Schwerpunkt auf die Frage: Wie ehrlich und authentisch können Sie sein?

Oscar Wilde, der berühmte englische Schriftsteller hat den Spruch geprägt: „Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon“. Was er damit sagen möchte ist einfach. Zeigen Sie sich so, wie sie sind – oder wie sie sein wollen.

Epiket sagt dazu: „Mache dir selbst zuerst klar, was du sein möchtest; und dann tue, was du zu tun hast“.

Neulich bereitete ich eine Bewerberin aus der Medienbranche auf ein Gespräch vor. Sie fragte, ob sie ihre persönlichen Eigenschaften Begeisterungsfähigkeit und Kreativität ehrlich und direkt kommunizieren darf.

Sicher, jeder von uns nimmt eine oder manchmal mehrere Rollen im Beruf ein, aber gehört diese Rolle auch zu Ihnen?

Bei ihr war meine Antwort eindeutig: Ja! Als Expertin für Kommunikation sind diese Eigenschaften sogar von großem Vorteil. Würde Sie jedoch im Controlling arbeiten und ihre Kreativität im Vorstellungsgespräch in den Vordergrund stellen, wäre ihr Gesprächspartner irritiert. Erwartet er doch eher jemand, der strukturiert und genau mit Zahlen umgehen und übergreifend denken kann.

Wie kann man selbst sein?

Durch die Medien geistert gerade ein Wort, das in diesem Zusammenhang häufig genannt wird: „Authentizität“. Authentizität beginnt immer mit einem selbst. Gemeint ist damit nicht, Rollen und Klischees zu erfüllen. Der Arbeitskollege, der sich beliebt machen will durch seine Witze, bewegt sich permanent am Rande des Unechten, wenn er nicht den Humor hat, der ansteckend ist. Wenn er zu viele Witze macht, kann keiner mehr lachen. Wenn er selbst jedoch nur Witze erzählt, um auf sich aufmerksam zu machen, kommen die Kollegen schnell dahinter und er wirkt unecht.

Die Soziologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden dabei vier Kriterien, damit man sich selbst als authentisch erlebt:

Bewusstsein

Wir müssen uns selbst kennen, wissen, was uns antreibt (Motive), was wir gut und gerne machen (Stärken), was wir nicht so gut können (Schwächen) und welche Gefühle wir in welchen Situationen empfinden. Ein hoher Anspruch und eine lebenslange Aufgabe. Bezogen auf das Bewerbungsgespräch bedeutet das, eigene Stärken und Schwächen zu kennen und dazu zu stehen. Durch Selbstreflexion sind wir in der Lage, unser Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.

Mein Tipp:

Wenn Sie sich Ihrer Stärken noch nicht bewusst sind, bitten Sie fünf Menschen in Ihrem Umfeld die nachfolgenden Fragen zu beantworten:

Was sind Ihre Stärken und Talente?

Was können Sie gut?

Bei welchen Themen oder Tätigkeiten leuchten Ihre Augen? 

Alternativ machen Sie einen Stärkentest: Danach überlegen Sie, welche Stärke haben Sie im Beruf bereits unter Beweis gestellt? Was haben Sie damit erreicht (Erfolge)?

Ehrlichkeit

Dazu gehört, auch unangenehme Rückmeldungen zu akzeptieren. Wir alle neigen dazu, uns manchmal intelligenter, besser und kompetenter darzustellen als wir in Wirklichkeit sind. Unehrlichkeit in einem Vorstellungsgespräch ist keine gute Grundlage für einen Einstieg. Aber Vorsicht: Mit Ehrlichkeit ist nicht gemeint, dass Sie zu viel über Niederlagen oder nicht gelungene Projekte berichten. Wenn Sie beispielsweise zu offen und unverblümt über Ihre eher negativen Erfahrungen mit ihrem letzten Chef oder Ihrer Firma berichten, wirft das auch ein schlechtes Licht auf Sie. Besser ist es hier, sich bedeckt zu halten und die Antworten vorher genau abzuwägen.

Eine Kundin von mir ist gerade in der Situation, innerhalb von zwei Jahren zweimal das Unternehmen zu wechseln. Vorher machte sie steil Karriere und der Lebenslauf präsentiert sich aus Sicht eines Personalers 1A. Das erste Mal wechselte sie die Stelle freiwillig, wollte sie doch näher bei ihrer Familie sein. Beim zweiten Mal jedoch wurde sie innerhalb der Probezeit nach nur fünf Monaten gekündigt. Im Bewerbungsgespräch wird sie nun den ersten Wechsel ehrlich kommunizieren, den zweiten Wechsel kommuniziert sie in Abhängigkeit ihres Gegenübers. Wenn das Gegenüber sie kennt, spricht sie sehr offen die Gründe, geht es doch auch darum, innerhalb des Netzwerks möglichst bald eine neue Stelle zu bekommen. Kennt jemand sie nicht, sagt sie „es hat einfach nicht gepasst und wir haben uns darauf geeinigt, dass Arbeitsverhältnis zu beenden“. Oder auch: „Es gab große Veränderungen von der Einstellung bis zum Beenden des Jobs nach 6 Monaten. Es war nicht der Job, den ich mir vorgestellt hatte und umgekehrt war ich für das Unternehmen auch nicht die ideale Besetzung.“ Dies entspricht den Tatsachen, aber nicht ganz der Realität. Die Unternehmensleitung suchte in einer Leitungsfunktion eine Persönlichkeit, die eher ausführende Tätigkeiten durchführt und hat der Stelleninhaberin innerhalb kürzester Zeit signalisiert, wo ihre Grenzen sind.

Mein Tipp:

Steigen Sie nicht zu tief in die Situation und die Gründe ein. Manchmal passt es einfach nicht. Sprechen Sie die Begründung mit der Sie die Fragezeichen in Ihrem Lebenslauf erklären möchten, vorher zuhause vor dem Spiegel solange laut und deutlich aus, bis Sie einen sicheren Tonfall in Ihrer Stimme und ein gutes Gefühl haben. Im Gespräch selber sollten Sie dann genau diesen selbstbewussten Ton anschlagen können. Dann wird Ihr Gegenüber keinen Zweifel an Ihrer Aussage haben.

Konsequenz

Seien Sie sich bewusst, welche Werte Sie haben und handeln Sie danach. Gerade, wenn es um ein Unternehmen geht, dass Sie interessiert, klären Sie vorher, welche Werte und welche Unternehmenskultur dort tatsächlich! gelebt wird. Damit meine ich nicht die Aussagen in den Firmenbroschüren, die oft wenig bis gar nichts mit der Realität zu tun haben, sondern dass, was Menschen, die dort arbeiten über ihr Unternehmen sagen. Neulich habe ich einen Kunden in leitender Funktion in einem Nahrungsmittelkonzern über einen längeren Zeitraum beraten. Er hat sich aus ethischen Gründen trotz besserer Bezahlung und attraktiver Position dagegen entschieden, für einen Rüstungskonzern zu arbeiten. Seine Aussage dazu „Wie soll ich meinen drei Kindern später erklären, dass ich für ein Unternehmen gearbeitet habe, das Waffen und Kriegsmaterial herstellt“. Viele Menschen hätten den gut bezahlten Job wahrscheinlich angenommen, er nicht.

Um ehrlich zu sein, ist das Herausfinden der tatsächlich gelebten Unternehmenskultur einer der Punkte, die Sie in einem oder auch mehreren Bewerbungsgesprächen wohl am schwierigsten herausfinden können. Dazu ein Beispiel: Eine Kundin bekam eine Einladung zu einem bekannten Radiosender. Insgesamt saßen acht Mitarbeiter dieses Senders im Erstgespräch am Tisch. Das Gespräch dauerte 1 Stunde. Nach einer Stunde wurde ihr gesagt, Sie würden Sie gerne ins Zweitgespräch einladen, das sei an einem bereits fixierten Termin. Worauf meine Kundin fragte, ob der Termin verschiebbar sein, weil sie an dem Tag Geburtstag habe. Die Antwort: Das geht leider nicht, da sind einfach zu viele Leute involviert.“ Was sagt uns diese Situation wohl über den zukünftigen Arbeitgeber aus? Es könnte dort, um es vorsichtig auszudrücken, sehr basisdemokratisch zugehen. Das ist nun wiederum nicht der Stil meiner Kundin, die gerne etwas bewegen möchte und sich vor lauter Ideen zur Weiterentwicklung des Senders gerade überschlägt.

Mein Tipp:

Achten Sie sowohl im Gespräch als auch im Bewerbungsprozess darauf, wie die Beteiligten miteinander und vor allem mit Ihnen als Bewerber umgehen. Interessant ist auch die Beobachtung, wer an den Entscheidungen beteiligt ist. Das sagt viel über Hierarchien aus.

Aufrichtigkeit

Aufrichtig ist, wer seiner eigenen inneren Überzeugung folgt und sich nicht verstellt. Jeder kennt Menschen, die sich in Szene setzen. Aber sind sie sie selbst? Ja! Denn sie verkörpern in genau diesem Moment ein Bild von sich, das der andere als „echt“ empfinden kann oder eben nicht. Diese Zuschreibung kommt vom Beobachter und nicht von einem selbst. Sich in einem Bewerbungsgespräch anders darzustellen, als Sie in Wirklichkeit sind, ist anstrengend. Zeigen Sie, was Sie gut können und warum Sie für die Stelle geeignet sind. Aber bitte übertreiben Sie nicht. Spätestens, wenn Ihre Gesprächspartner nachhaken, werden sie schnell merken, wie dünn das Eis ist, auf dem Sie sich bewegen.

Mein Tipp: Üben Sie mit einem Partner das Gespräch vorher. Wo läuft es rund, wo hakt es oder wenn kein Partner da ist, nehmen Sie alles mit dem Telefon auf und hören es anschließend ab. Sprechen Sie die holprigen Stellen solange, bis Sie sicher sind.

Kein Mensch, kann sich auf Dauer gut verstellen oder auch anpassen. Seien Sie ehrlich zu sich. Was brauchen Sie, um gut zu arbeiten? Ist es eher ein Team, mit dem Sie gemeinsam etwas voran bringen oder eher die Aufgabe, an der Sie sich stundenlang aufhalten können? Ist es das Einzelbüro, das Zweierbüro oder sind Sie eher der Typ für das Großraumbüro. Finden Sie heraus, wer SIE sind und was SIE brauchen, um den besten Beitrag für dieses Unternehmen und vor allem für SIE leisten zu können.

Machen Sie’s gut!

Hier geht es zu

Tipp Nr.1 Trauen Sie Ihrer Intuition

Tipp Nr. 3 Vorbereitung

Tipp Nr. 4 Wie Sie sich motivieren

Weitergehende Blogartikel zum Thema: 

Sich selbst sein

Die Kunst authentisch zu sein.

Über die Gefahr authentisch zu sein.

Lassen Sie sich von Absagen nicht entmutigen.

Warum Einladungen zum Bewerbungsgespräch mehr mit Glück zu tun haben, als wir glauben.

Das A und O – Die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch.

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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