Cornelia Bohlen

Wann bin ich Coach? Wann bin ich Berater? Was brauchen Sie als mein Kunde?

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Allgemein, Blog

Wann bin ich Coach? Wann bin ich Berater? Was brauchen Sie als mein Kunde?

In meinem heutigen Artikel beschäftige ich mich mit der Frage: Wann brauchen Menschen in beruflichen Veränderungsprozessen Coaching und wann eher eine Beratung? Was ist eigentlich der Unterschied?

Vorwegnehmen möchte ich, dass ich mich auf den Aspekt des Business Coachings beziehe. Im Gegensatz zu Coaching im therapeutischen Kontext, das nicht in Inhalte eingreift und keine Ratschläge gibt, besteht ein Business Coaching häufig aus einem Mix von Beratung oder auch Training. Während der Berater dem Klienten eine oder mehrere mögliche Lösungen vorschlägt, erarbeitet der Coach zusammen mit dem Klienten die Lösung.

Häufig suchen Führungskräfte oder Freiberufler zunächst nach einem Gesprächspartner, mit dem sie sich austauschen und ihre Situation mit einem unabhängigen Berater reflektieren können.

In vielen Unternehmen wird Coaching vor allem in Problemsituationen eingesetzt und weniger, um eine gute Performance zu erreichen. Das halte ich für eine Fehlentwicklung und in anderen Ländern wird dies bereits anders betrachtet wird.

Was ist Coaching? Was ist Beratung?

Aber zurück zur Definition. Die Unterschiede zwischen Beratung und Coaching möchte ich Ihnen an einem Beispiel aus meiner täglichen Arbeit beschreiben.

Vor einem halben Jahr bekam ich einen Anruf von Torsten (Anm. Name frei erfunden). Er hatte sich in dem Unternehmen für eine Führungsposition beworben, für das ich früher tätig war. In dieser Zeit hatten wir ganz kurzen Kontakt. Nun bat er mich um Rat, da er sich in einer schwierigen Situation befand und auf der Suche nach einem Sparringspartner war. Im Gespräch stellte sich dann heraus, dass seine jetzige Position aufgelöst wird und er keine Perspektive im Unternehmen hat. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann ein Angebot zur Aufhebung seines nunmehr seit fünf Jahren bestehenden Vertrages erfolgt.

Fragen, die er sich beispielsweise stellte, habe ich für Sie in Beratungs-, Coachingfragen oder einem Mix aus beidem unterteilt.

Beratungsfragen:

  • Wie gehe ich mit dieser Situation um? Wie verhalte ich mich in Gesprächen, mit wem bespreche ich was?
  • Zu welchem Zeitpunkt informiere ich meine Kunden, Mitarbeiter und Kollegen über den Weggang?
  • Wie kann ich meine Stärken im Lebenslauf und im Anschreiben darstellen?
  • Wann ist ein Zwischenzeugnis gut? Wie ist es aufgebaut?
  • Kann ich das Angebot meines Arbeitgebers annehmen, nach der Freistellung weiter als Berater zu arbeiten?

Coachingfragen:

  • Wenn ich Ihren Chef fragen würde, was er Ihnen jetzt raten würde, was wäre das?
  • Was wäre eine gute Lösung, um aus dieser Situation wieder herauszukommen? Wie kann eine sinnvolle Weiterentwicklung aussehen?
  • Wer oder was könnte Sie dabei unterstützen?
  • Welche Ziele für die Zukunft können Sie aus dieser Situation ableiten?

Und Fragen, die beides beinhalten:

  • Wie kommuniziere ich mit meinem Chef, der nicht mit meiner Leistung zufrieden ist (die aber im Mitarbeitergespräch immer positiv dokumentiert ist)
  • Welche Kompetenzen habe ich und wie kann ich diese in einem Anschreiben zum Ausdruck bringen?
  • Wie kann ich die Zeit zwischen der Freistellung und dem Ende des Vertrages sinnvoll nutzen?

Anhand der Fragen erkennen Sie sehr schnell, was Torsten benötigt. In erster Linie geht es bei ihm um Themen, deren Beantwortung etwas mit meinem Know-how und meiner Erfahrung als Expertin zu tun haben. Tatsächlich war in diesem Fall der größere Teil Beratung und der kleinere Teil Coaching.

 Ein Berater ist meinungsgebender Experte. Er hilft, Aufgaben zu lösen.

Da Torsten eine erfahrene Führungskraft ist und sich selbst sehr gut kennt, braucht es manchmal lediglich einen Impuls von mir, damit er die Lösung findet. In diesem Moment bin ich als Berater und zu 100% auf Augenhöhe mit ihm unterwegs.

Auf der anderen Seite gibt es Fragen, die Thomas beschäftigen, die seine ganz persönliche Situation betreffen. Beispielsweise fragt er sich, wie er damit umgeht, wenn er ohne Arbeit ist. Was ist ein guter Tagesablauf für ihn? Wie kommuniziert er seinen Kindern, warum er zu Hause ist? Inwiefern hilft die Freistellung (er wird für weitere sechs Monate bezahlt und hat eine Abfindung verhandelt) neue Aspekte in sein Leben zu bringen? Wie kann er die Zeit sinnvoll nutzen?

Um diese Fragen zu beantworten und die innere Entwicklung anzustossen, ist Coaching eine gute Methode. Hier helfen gute Fragen, ein methodisches Vorgehen und Zuhören, damit Torsten sich seiner Möglichkeiten bewusst wird und die richtige Lösung für sich findet. So hat er beispielsweise in seinem Aufhebungsvertrag die Kostenübernahme einer Weiterbildung vereinbart, weil er einige Kenntnisse vertiefen und Neues lernen möchte. Diese Idee entstand in einem Gespräch zwischen uns, in dem es darum ging, welche Kompetenzen er bereits hat und in welchen Situationen er merkt, dass etwas fehlt. Natürlich ist es auch für seinen Lebenslauf und den zukünftigen Arbeitgeber von Vorteil. Allerdings ging es in erster Linie darum, was ihn interessiert und woran er Freude hat. Diese persönlichkeitsbezogene Arbeit und das Finden von Lösungen ist ein klassischer Fall für ein Coaching.

Der Coach ist ein herausfordernder, unterstützender Begleiter. Er entwickelt Persönlichkeiten.

Ein Unternehmer, den ich seit längerem begleite, sagte zu mir: „Du lässt mich nicht da wo ich bin, sondern bleibst dran, stellst unbequeme Fragen und eröffnest mir neue Denkweisen!“

Gerade wenn es um das Thema Entscheidungen geht, spielen vielfältige Aspekte eine Rolle. Bei Torsten ging es zum Beispiel um die Frage, ob er bereit ist auf Einkommen zu verzichten und wenn ja, wieviel? Dabei geht es im Coaching um die Frage: Wieviel Wert bin ich mir selbst und kann ich Kompromisse machen? Und in der Beratung um die Frage: Wieviel Einkommen benötige ich, um meine Ausgaben zu decken und meine Lebensweise beibehalten zu können. Wo könnte ich ein einsparen und mit weniger auskommen?

Häufig kommen im Laufe von Bewerbungsprozessen mehrere Alternativen auf den Tisch, die es abzuwägen gilt. In diesen Fällen arbeite ich mit einem Mix aus Coaching und Beratung. Der Coach stellt die Fragen, die zur einer Entscheidung führen können, hat die Stärken und Motive des Kunden im Blick und beobachtet sein Gegenüber.

Wie wird über die verschiedenen Alternativen gesprochen? Welche Körperhaltung, Gestik, Mimik und Verhalten kommt zum Ausdruck? Ich bin der Spiegel und gebe an den Kunden zurück, was sich mir zeigt. Bei welchem Jobangebot leuchten die Augen und bei welchem nicht? Ich entdecke die guten Anlässe, um die Motive hinter dem Offensichtlichen zu erforschen und wirkliches Wollen zu identifizieren.

Ohne, dass Thomas es bemerkt, wechsle ich manchmal die Rollen. Es gibt aber auch Situationen, in denen ich es bewusst kommuniziere und ihm sage, da möchte ich jetzt meine Rolle als Coach einbringen. Ist das in Ordnung? Als Coach oder Berater sollte ich mir über meinen Rollenwechsel bewusst sein.

Welcher Kunden-Typ sind Sie? Besucher, Kunde oder Klagender?

Der amerikanische Psychotherapeut Steve de Shazer unterscheidet in der Beratung zwischen Besucher, Kunde und Klagendem.

Vergleichbar ist diese Situation mit dem Kauf eines Autos.

Der Händler berät Sie, welches Auto das richtige sein könnte. Sind Sie Kunde, haben Sie sich bereits vorher informiert, Vergleiche und Erfahrungen gemacht, die Sie in die Lage versetzen eine Entscheidung auf Augenhöhe mit dem Verkäufer zu treffen. Sind Sie Besucher, schauen Sie ganz unverbindlich im Autohaus vorbei. Sie wissen noch nicht genau, ob und welches Auto Sie kaufen möchten. Manchmal entscheiden Sie sich auch gar nicht, sondern behalten Ihr eigenes Auto. Sind Sie Klagender, kommen Sie zum Händler, um sich über alle Macken Ihres Auto zu beklagen und einfach mal Dampf abzulassen. Vielleicht besuchen Sie auch mehrere Händler, weil Sie nicht wissen, welches Auto Ihnen das bieten kann, was Sie sich wünschen.

Die häufigsten „Besucher“ findet man in Kontexten der Bundesagentur für Arbeit bzw. des Jobcenters. Sie bieten mittlerweile vielen Akademikern Gutscheine für Coachings an, die diese gerne annehmen. Mir passiert es manchmal, dass Menschen von Unternehmen bzw. Führungskräften „geschickt“ werden, weil sie sehen, dass ihre Mitarbeiter ein Problem haben und Coaching eine gute Lösung wäre, daran zu arbeiten. In diesem Fall handelt es sich um „Besucher“, weil diese Mitarbeiter nicht mit einer Beschwerde kommen. Ausgehend von der Maxime „Keine Regel ohne Ausnahme“ stelle ich zum Beispiel die nachfolgenden Fragen, um eine Veränderung dieser Haltung zu erwirken.

  • „Haben Sie eine Idee, warum Herr/Frau X/Y möchte, dass wir miteinander ins Gespräch kommen? Was halten Sie selbst von dieser Idee?“
  • „Wie können Sie die, die Sie geschickt haben, davon überzeugen, dass Sie nicht wieder kommen brauchen?“
  • „Wenn Sie die Gelegenheit für ein eigenes Anliegen nutzen könnten, was wäre das?“

Viele Menschen klagen zwar über ihre Probleme, belassen es aber bei der Klage. „Klagende“ haben oft das Gefühl, die Leidtragenden zu sein oder Ungerechtigkeiten zu erleben, an denen Sie nichts ändern können. Dieser Kunde möchte zwar ein Coaching, ist häufig jedoch nicht bereit, wirklich an sich zu arbeiten und etwas in seinem Leben zu verändern.

Für den Coach ist in diesem Fall die Herausforderung, einen Perspektivwechsel herbeizuführen, der diesen Menschen vom „Klagenden“ zum „Kunden“ macht.

Eine einladende Frage zur Veränderung ist beispielsweise: „Manchmal fällt es Ihnen vielleicht schwer, an eine Verbesserung Ihrer aktuellen Situation zu glauben. Wenn Sie die Wahl hätten, ob wir uns eher darauf konzentrieren sollten, all’ das ein wenig besser zu ertragen oder doch darauf, wie ein erster kleiner Schritt zur Veränderung Ihrer Situation aussehen könnte, wie würden Sie sich entscheiden?“

Wenn Sie als Kunde kommen, haben Sie zwar eine Beschwerde, aber bereits erste Ideen oder ein Bild, was Sie verändern möchten. In diesem Fall sind Sie der Kunde, der im Autohaus mit Ideen kommt, welches Auto mit welcher Ausstattung er haben möchte.

Zur Person:

Cornelia Bohlen ist Karrierecoach und Stärkentrainerin. Sie begleitet Fach- und Führungskräfte auf ihrem Weg der beruflichen Weiterentwicklung. Sie blickt auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als Führungskraft und Personalerin zurück. Seit 2012 ist sie mit ihrem Unternehmen BerufsLeben als HR-Beraterin, Personalentwicklerin und Coach tätig.

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Kommentare (6)

  • Lothar Schmidt

    |

    Liebe Frau Bohlen,
    ein wichtiges Thema zu dem oft wenig Klarheit herrscht. Als Führungskraft wechseln häufig die Rollenmodelle. Mein früherer Arbeitgeber hat einer Führungskraft 7 Rollen zugewiesen, von Vorbild, bester Berater, erster Vertriebler, Vorgesetzter bis Coach. Bei Mitarbeitern führt das zu Irritationen. Wenn der selbe Mensch vor mir sitzt, aber ständig einen anderen Hut aufhat. Ich halte daher viel davon, Rollen klar zu trennen.
    Heute bin ich selbständiger Finanz-Planer und Finanz-Coach für Verbraucher. Eine Finanzplanung ist Beratung, ein Finanz-Coaching ist Coaching. Ich erläutere den Unterschied vorab sehr genau, damit der Kunde, meine Rolle kennt und sich entscheiden kann. Obwohl Coaching zu Finanzen ungewohnt ist, ist die Wirkung nachhaltiger. Frei nach Galilei „Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selber zu entdecken.“
    Mein Motto: alles zu seiner Zeit, aber mit klaren Rollen.
    Herzliche Grüße
    Lothar Schmidt, Finanz-Coach

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    • Cornelia Bohlen

      Cornelia Bohlen

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      Lieber Herr Schmidt, danke für Ihre Gedanken. Sie sprechen ein wichtiges Thema an. Gerade wenn es um das Thema Geld geht, macht es großen Sinn im Coaching verdeckte Glaubenssätze und Überzeugungen freizulegen und zu verändern. Gute Kombination aus beidem und gut zu trennen, finde ich. Liebe Grüße Cornelia Bohlen

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  • Günter Horvath

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    Coaching oder Beratung oder Psychologische Beratung oder … was auch immer.
    Alles ist ok, es muss dem Kunden, der job sucht nützen. Oder?
    Ich hab mich auch einige Zeit mit dem Abgrenzungs-Thema beschäftigt. Jetzt halte ich es für eine akademische Diskussion, die Kunden aus meiner Sicht keinen Vorteil bringt. Ich hab auch nie eine klare Abgrenzung erhalten – weder in Literatur noch in Fachkreisen. Am besten, man ist breit ausgebildet und erfahren. Andere Meinungen interessieren mich aber immer.

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    • Cornelia Bohlen

      Cornelia Bohlen

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      Hallo Herr Horvath, danke für Ihren ergänzenden Beitrag. Ich stimme Ihnen zu. Am Ende zählt das Ergebnis. Dennoch halte ich eine fachlich geführte Diskussion für wichtig und ein Interessent sollte wissen, auf was er sich einlässt. Coaching setzt anderes in Bewegung als Beratung. Viele Grüße Cornelia Bohlen

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  • Gabriele Ostwinkel

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    Kunden sagen oft, ich möchte ein Coaching und meinen Beratung. Woher sollen sie den Unterschied kennen, wenn sie in ihr erstes Coaching gehen. Wenn mein Kunde aber nicht weiß wozu ich ihm so merkwürdige Fragen stelle anstatt zu sagen, was ich denn an seiner Stelle tun würde, könnte ihn das zu stark irritieren. Zu einem vertrauensvollen Coachingprozess gehört für mich immer, dass ich zu Beginn das Einverständnis für die Art und Weise der Zusammenarbeit einhole, also anders zu fragen als gewohnt, ihn bitte Dinge aufzuschreiben oder aus einer anderen Perspektive auf sein Thema zu schauen…Ein für den Kunden wirklich nützliches Coaching, geht m.E. nur mit einem OK dazu. Alles andere bleibt m.E. Beratung, was für den Kunden in seiner speziellen Situation natürlich auch wertvoll sein kann. Und vielleicht auch Lust auf „Echtes Coaching“ macht 🙂

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    • Cornelia Bohlen

      Cornelia Bohlen

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      Liebe Frau Ostwinkel, vielen Dank für diese wertvolle Ergänzung. Genau darum habe ich diesen Artikel geschrieben. Es geht um mehr als einen Unterschied in der Definition. Es geht um die Entwicklung eines Bewusstseins sowohl beim Kunden als auch bei uns selbst. Erst dann können wir den Kunden so beraten und/oder coachen, dass es mit seinem Einverständnis zielführend ist. Liebe Grüße Cornelia Bohlen

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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