Bewerbungsgespräch Fragen

Mutmacher: Fragen, die Sie in jedem Bewerbungsgespräch stellen sollten – Tipp 5

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Allgemein, Bewerbungen, Blog

Endlich da: Die Einladung zum Bewerbungsgespräch ist in Ihrem Postfach oder Sie haben den Anruf bekommen! Das Bewerbungsinterview steht bevor. Hier nun Tipp Nr. 5 der Serie rund um das Bewerbungsgespräch.

Dieses Mal beschäftige ich mich mit dem Thema, welche Fragen Sie unbedingt einem möglichen Arbeitgeber in einem Bewerbungsgespräch stellen sollten.

Können Sie sich an das beste Bewerbungsgespräch erinnern, das Sie jemals hatten? Wie ist das gelaufen? Welche Fragen haben Sie gestellt und welche Ihre Gesprächspartner?

Die besten Gespräche, an die ich mich erinnern kann, begannen zunächst mit einer kurzen Einführung in das Gespräch und danach ähnelte es mehr einem Tischtennisspiel, in dem beide Seiten immer mal wieder den Ball hatten. Auch, wenn der Spielleiter auf Unternehmensseite die Spielregeln definierte.

Ist ein Gespräch planbar? Wann kann ich Fragen stellen?

Es gibt viele Arten, wie Unternehmen ihre Auswahlverfahren und ihre Gespräche gestalten. Die Staufenbiel Studie 2016 zeigt, dass acht von zehn Unternehmen das klassische Bewerbungsgespräch mit der Fach- und Personalabteilung anwenden. In diesem Fall wird der Fachverantwortliche eher die Fragen in Richtung Fachwissen und Erfahrungen stellen, während es dem Personaler mehr um die weichen Faktoren, beispielweise die persönlichen Kompetenzen und die Konditionen gehen wird.

So unterschiedlich die Menschen in den Unternehmen sind, so unterschiedlich führen Sie auch die Bewerbungsgespräche. Die einen bevorzugen das strukturierte Interview, die anderen lassen Sie im Gespräch konstruierte Fälle aus der Praxis lösen und wiederum andere erzählen soviel von sich und der Stelle, dass Bewerber kaum zu Wort kommen. Egal wie das Gespräch verläuft, überlegen Sie sich vorher, welche Fragen Sie stellen möchten.

Manche Fragen, die Sie mit ins Gespräch nehmen, beantwortet Ihr Gesprächspartner vielleicht schon mit der Eigenvorstellung. Andere müssen Sie im Laufe des Gespräches stellen. Oftmals bekommen Sie zum Schluss des Gespräches die Möglichkeit, Fragen zu stellen.

Für alle eher zurückhaltenden Leser: Ergreifen Sie die Initiative, stellen Sie Ihre Fragen! Demonstrieren Sie Ihrem Gegenüber Ihr Interesse! Schließlich geht es hier um die Frage, ob dieser Arbeitgeber und die Stelle auch die „Richtige“ für Sie ist. Ein Bewerbungsgespräch sollte wie ein erstes Date sein und beide Seiten sollten zu Wort kommen.

Mein Tipp: Schreiben Sie sich einen Merkzettel und nehmen sie diesen mit in das Gespräch. Es wirkt gut vorbereitet, wenn Ihr Gegenüber bemerkt, dass Sie sich Gedanken gemacht haben. Was ist Ihnen wichtig? Worauf legen Sie Wert? Vergleichen Sie es, mit einer Testfahrt für ein neues Auto. Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit Sie sich dafür oder dagegen entscheiden können.

Nachfolgend habe ich ein paar Beispiele für Sie zusammengestellt?

1) Was müsste der Stelleninhaber/ die Stelleninhaberin tun und was würde ihn/ sie erfolgreich machen?

2.) Welche Eigenschaften sollte er/sie neben den beruflichen Qualifikationen mitbringen, um in Ihrem Unternehmen gut anzukommen?

Diese Fragen zeigen Ihrem Gegenüber, dass Sie auch die Kollegen und den Chef im Blick haben. Gleichzeitig erfahren Sie, ob Sie diese Eigenschaften mitbringen und ob Sie diese Erwartungen und Anforderungen erfüllen wollen – und können.

3.) Fragen zur Struktur des Unternehmens, also: Wer ist mein direkter Vorgesetzter? Gibt es sowohl disziplinarische als auch fachliche Vorgesetzte?

4.) Wie werden in Ihrem Unternehmen neue Produkte entwickelt und vermarktet? Wer ist daran beteiligt?

5.) Wie akquirieren Sie neue Aufträge und Kunden? Was macht Erfolge aus?

Diese Fragen helfen Ihnen, herauszufinden, wie das Unternehmen tickt, wie die Berichtswege laufen und wie stark die verschiedenen Bereiche in die Unternehmensentwicklung einbezogen werden. Manchmal finden Sie auch Hinweise in der Stellenausschreibung. Neulich suchte ein Berufseinsteiger eine Position in der Personalberatung. Bereits in der Anzeige wurde deutlich, dass es sich herbei um Stelle handelte, in der er akquirieren sollte. Das wollte er definitiv nicht. Manchmal erfährt man solche Details auch erst im Gespräch.

6.) Fragen zum Unternehmen und zur Strategie, wie zum Beispiel: Gibt es aktuell Herausforderungen vor dem Ihr Unternehmen steht und wie gehen Sie damit um? Welche Schritte haben Sie schon eingeleitet?

Beginnen Sie die nächste Frage mit einer Einleitung, zum Beispiel:

Ich habe vor kurzem in der Wirtschaftswoche das Interview mit Ihrem Vorstandsvorsitzenden zur Neustrukturierung des Konzerns gelesen.

Gibt es schon erste Erfolge oder Ergebnisse?

Mit dieser Frage zeigen Sie, dass Sie sich gut vorbereitet und intensiv mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Sie bekunden Ihr Interesse für Themen, die das gesamte Unternehmen betreffen.

Fragen zur Unternehmenskultur und zum Arbeitsklima

Erfolgsautorin Svenja Hofert ist der Frage nachgegangen, wie man jenseits von schönen Broschüren zur Unternehmenskultur und zum Leitbild herausfinden kann, wie ein Unternehmen tatsächlich tickt.

Dabei hat sie vor allem drei Fragen identifiziert, um berufliche Fehlentscheidungen zu verhindern und besseren Cultural Fit herzustellen:

  • Weshalb bleiben Mitarbeiter länger als zwei Jahre?
  • Warum wird man Führungskraft?
  • Warum werden Zielvereinbarungen, 360° Feedbacks etc. wirklich gemacht?

Wie wäre es, diese zu stellen? Aus den Antworten können Sie sehr gut ablesen, wie diese Firma tickt. Ist ein Mitarbeiter länger als zwei Jahre in der Firma, weil er gute Aufstiegsmöglichkeiten hat, bedeutet, es geht hier um Leistung. Kann er sich persönlich weiterentwickeln und immer wieder neue Aufgaben übernehmen, lässt das den Schluss zu, dass es sich hier um ein Unternehmen handelt, dass die Stärken der Mitarbeiter in den Vordergrund rückt.

Fragen, die Sie als Führungskraft stellen sollten

Gerade als Führungskraft sind Sie gefordert, die Philosophie des Unternehmens zu inhalieren und zu transportieren.

Was bedeutet für Sie Mitarbeiterführung? Wie agiert eine gute und eine weniger gute Führungskraft in Ihrem Unternehmen?

Welche Erwartungen haben Sie an eine gute Führungskraft?

 Womit verbringt eine gute Führungskraft aus Ihrer Sicht Ihre Zeit?

Die Antworten zeigen Ihnen, wie sehr sich das Unternehmen mit ihren Führungskräften beschäftigt und wie wichtig Führung ist.

Ein paar Antworten und ihre Interpretation:

„Unsere Führungskräfte können tun und lassen, was sie wollen. Hauptsache die Zahlen stimmen!“ Könnte bedeuten, hier geht es um Leistung, wenig Wertschätzung den Mitarbeitern gegenüber. Mensch als Produktionsfaktor.

Oder:

„Wir legen großen Wert auf die Einbeziehung der Geschäftsleitung in grundlegenden Fragen. Alles andere können Sie natürlich selbst bestimmen.“ Nachfrage: „Was genau bedeutet grundlegend. Können Sie mir ein Beispiel nennen?“ Hier gibt es Klärungsbedarf. Die Antwort könnte darauf hindeuten, dass Sie ständig nachfragen müssen und wenig Entscheidungsspielraum haben. In manchen Unternehmen eine heikle Sache.

Oder:

„Unsere Führungskräfte unterziehen sich regelmäßig einem 360° Feedback und verbessern ihre Führungsleistung“. Gerade im angelsächsischen Raum eine beliebte Methode, um regelmäßig die Performance zu überprüfen. Bedeutet: Sie stehen unter Beobachtung. Aber auch hier gilt es nachzufragen, wie sehr die Auswertungen umgesetzt werden und ab wann Redebedarf in Richtung Vorstand/Geschäftsführung besteht.

Ich kenne Fälle, in denen das 360° Leadership Feedback punktuell immer dann eingesetzt wird, wenn eine Führungskraft nicht mitspielt. Das hat eine völlig andere Wirkung, als wenn es zur etablierten Kultur gehört.

 Interessante Fragen zum Schluss

 Sie wundern sich, warum Sie eingeladen werden, obwohl sie bestimmte Qualifikationen nicht erfüllen?

Fragen Sie:

„Mich interessiert, aus welchen Gründen Sie mich eingeladen haben?“

Die Beantwortung der Frage gibt Ihnen Gelegenheit zu erfahren, was Ihrem Gesprächspartner an Ihnen gefällt und könnte für weitere Verhandlungen nützlich sein. Außerdem können Sie damit auch Ihre eigenen offenen Fragen zum Ausdruck bringen.

Vielleicht erinnern Sie sich, dass ich genau diesen Fall in einem meiner letzten Artikel geschildert habe. Meine Kundin hatte sich auf eine Stelle beworben, für die sie zum Teil nicht soviel Erfahrung mitbrachte. Am Ende hat dann ihr Mitbewerber die Stelle bekommen, der exakt diese Qualifikation mitbrachte. Sie hat sich geärgert hat, dass Sie nicht gefragt hat, warum Sie eingeladen wurde. Hätte Sie gefragt, wäre es eine Chance gewesen, über die fehlende Qualifikation zu sprechen.

Kann ich meinen Arbeitsplatz und die Kollegen kennenlernen?

Die Frage nach dem Arbeitsplatz ist eine wichtige Frage, gerade wenn Sie ein feinfühliger und sensibler Mensch sind. Je nachdem welche Arbeitsbedingungen Sie benötigen, sollten Sie vorher wissen, ob Sie in einem Großraumbüro, einem zweier oder eine Einzelbüro sitzen. Wenn Sie noch nicht sicher sind, machen Sie doch mal diesen Test. . Es hängt sehr stark von dem Unternehmen ab, wie Ihr Arbeitsplatz aussieht. Bewerben Sie sich in einem Start up oder eher in einem renommierten Unternehmen? Ist es ein Konzern oder ein Mittelständler? Hier gibt es viele Varianten. Diese Frage ist eher etwas für das zweite Gespräch. Wer sie schon im ersten Gespräch stellt, könnte beim Gesprächspartner sehr sicherheitsorientiert wirken.

Wenn Sie feststellen, dass wichtige Vorgesetzte oder auch Teammitglieder in Ihrem zukünftigen Umfeld nicht am Tisch sitzen, sollten Sie vor oder im Zweitgespräch den Wunsch nach einem Kennenlernen äußern. Falls es nicht zu einem Zweitgespräch kommt (was ich für ungewöhnlich halte), können Sie diesen Wunsch bei weiteren Vertragsverhandlungen formulieren. Meistens besteht dann die Möglichkeit zu einem kurzen Rundgang und zum Kennenlernen des Teams.

Und bei aller Vorbereitung: Bedenken Sie, eingestellt zu werden, hat manchmal mehr mit Glück zu tun als alles andere.

Mein Motivationstipp für Ihren Bewerbungsprozess: Suchen Sie sich ein gutes Zitat für ihren Bewerbungsprozess und hängen es an einem Ort auf, an dem Sie regelmäßig vorbei kommen. Es kann Sie  unterstützen, Ihr Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.

Und hier geht’s zu Tipp 4: „Wie Sie sich motivieren!“

Ergänzende Blogartikel zum Thema:

Lassen Sie sich von Absagen nicht entmutigen.

Warum Einladungen zum Bewerbungsgespräch mehr mit Glück zu tun haben, als wir glauben.

Das A und O – Die Vorbereitung auf das Bewerbungsgespräch. Mit Checkliste.

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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