Cultural Fit, Kommunikation

Cultural Fit: Tipps von einer Kommunikationsexpertin!

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Allgemein, Blog, Interview

Drum prüfe, wer sich ewig bindet!

Wie Sie sich für das richtige Arbeitsumfeld entscheiden!

Bereits in vorherigen Artikeln habe ich darüber geschrieben, wie wichtig das berufliche Umfeld für das Ausleben Ihrer Stärken und Talente ist.

Vor einigen Tagen hatte ich Gelegenheit mit Marion Schumacher über ihre Erfahrungen im Kommunikationsbereich zu sprechen.

C.B.: Frau Schumacher, wie haben Sie Ihren beruflichen Einstieg gefunden?

Marion Schumacher: Ich bin das, was man einen klassischen Seiteneinsteiger nennt – heutzutage in der Kommunikation eine aussterbende Spezies. Meine berufliche Laufbahn begann mit einer Hotelfachausbildung, denn mich hat schon früh die Interaktion mit völlig unterschiedlichen Menschen und Kulturen interessiert.

C.B.: Wie ging es dann weiter?

Marion Schumacher: Ich habe berufliche Gelegenheiten ergriffen, die sich alle paar Jahre boten – ohne eine klare Karriereplanung zu haben. Eine linear verlaufende Karriere war für mich als junger Mensch nicht wichtig. So habe ich beispielsweise in einem inhabergeführten Immobilienunternehmen gearbeitet und war dort als Office Managerin und Personal Assistant tätig. In dieser Zeit kaufte das Unternehmen ein Hotel und zwei Jahre später bot mir mein damaliger Chef die Position als PR und Marketingleiterin an, die ich zunächst ablehnte. Hatte ich doch keine Ausbildung in diesem Bereich. Einige Monate später sprach er mich wieder an und ich sagte zu.

C.B.: Was raten Sie Menschen, denen sich Möglichkeiten bieten, die auf den ersten Blick ungewöhnlich scheinen?

Marion Schumacher: Die Antwort ist einfach. Offen sein und offen bleiben. Ich habe damals sehr an mir gezweifelt, ob ich diesen Job schaffe. Aber dann sagte ich mir „Hey, da glaubt jemand an Dich, dann wirst Du das packen.“ Und das, obwohl ich junge Mutter war, die auch ihr Privatleben im Blick behalten wollte.

Der zweite Rat ist, sich ein Umfeld und Netzwerk zu schaffen, welches mit unkonventionellen beruflichen Entscheidungen umgehen kann und diese unterstützt.

C.B.: Sie haben lange für das amerikanische Unternehmen „The Ritz-Carlton“ gearbeitet. Wie sehr hat Sie die amerikanische Unternehmenskultur geprägt?

Marion Schumacher: Sie hat mich schon sehr geprägt. Mir gefällt die grundsätzliche Einstellung „You can do it“. Zertifikate und Zeugnisse spielen eher eine untergeordnete Rolle.

Ich habe dann eine berufliche Karriere erleben dürfen, die nur möglich war, weil Beförderungen nach Performance entschieden wurden. Persönliche Kompetenzen konnten reifen und fachliches Know-how wurde parallel geschult.

C.B.: Zurück zu deutschen Unternehmen. Was raten Sie Bewerbern, die den Cultural Fit eines Unternehmen prüfen wollen?

Marion Schumacher: Sprechen Sie mit möglichst vielen Menschen, die dieses Unternehmen kennen und idealerweise dort arbeiten. So habe ich mich beispielsweise für eine Leitungsposition in der Schweiz beworben. Im Laufe des Bewerbungsprozesses habe ich alleine mit meinem zukünftigen Team von 10 Personen gesprochen. In einem anderen Termin traf ich eine Kollegin auf gleicher Ebene und die Ex-Stelleninhaberin. So konnte ich mir ein sehr gutes Bild von der Kultur verschaffen.

C.B.: Wenn das nicht möglich ist, was dann?

Marion Schumacher: Recherchieren Sie in sozialen Netzwerken und vernetzen Sie sich mit Personen, die in diesem Unternehmen arbeiten. Lesen Sie Artikel (mein Tipp: Google-Suche unter „News“). Vor allem aber: Stellen Sie Fragen im Interview zur Unternehmenskultur.

C.B.: Welche Fragen zum Cultural Fit könnten das sein?

Beispielsweise diese zwei:

  • Welche Werte werden in Ihrem Unternehmen gelebt (verschiedene Personen fragen)?
  • Wie werden diese Werte gelebt, wie wird das überprüft? (zum Beispiel durch jährliche Befragungen, in denen die Mitarbeiterzufriedenheit ermittelt wird). Oder durch definierte Werte, die in die Zielvereinbarungen der Führungskräfte aufgenommen werden.

(Anmerkung Cornelia Bohlen: siehe Blogartikel Fragen im Bewerbungsgespräch)

C.B.: Sie haben in Ländern mit sehr unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gearbeitet. Woran können deutsche Bewerber erkennen, in welches internationale Unternehmen sie passen?

Marion Schumacher: Bewerber sollten sich fragen, ob sie genug diplomatisches Geschick haben, um beispielweise in der Schweiz zu bestehen. Denn die direkte, deutsche Art wird dort nicht sehr geschätzt. Oder, wer eine direkte, unverblümte Kommunikation und performanceorientierte Arbeitsweise bevorzugt, für den passt vielleicht ein amerikanisches Unternehmen. Ein drittes Beispiel: In der Zusammenarbeit mit russischen Geschäftspartnern und Kollegen habe ich gelernt, dass sie zunächst prüfen, ob ein echtes Interesse an ihnen und ihrer Kultur besteht, bevor sie einem das Vertrauen schenken. Hier heißt es: dran bleiben und Beziehung aufbauen. Die daraus entstandene Loyalität hält oft viel länger als in westlichen Unternehmen.

Am besten informieren Sie sich über die jeweiligen Gepflogenheiten, bevor Sie sich bewerben.

C.B.: Stichwort „Digitalisierung“. Es scheint, dass das Berufsbild des Kommunikators sich stark verändert hat. Wie haben Sie das erlebt?

Marion Schumacher: Das ist in der Tat so. Mit zunehmender Digitalisierung müssen Unternehmen immer stärker darüber nachdenken, wie sie ihre Zielgruppen erreichen. Früher haben Medien das Bild von Unternehmen bestimmt und Kommunikation war in erster Linie Medienarbeit. Heute bedienen wir eine Vielzahl von Kanälen, die unterschiedliche Nuancen einer Kernaussage erfordern. Die Kommunikation hat sich von „push“ zu „pull“ verändert. Das bedeutet, dass Unternehmen nicht mehr bestimmen, was sie ihren Zielgruppen kommunizieren, sondern die Zielgruppen bestimmen, ob und was sie lesen, sehen oder hören möchten. Unabhängig von der Größe eines Unternehmens, gehören heute darüber hinaus Themen wie Reputationsmanagement und Krisenkommunikation in das Repertoire eines jeden Kommunikators.

C.B.: Wagen Sie einen kleinen Ausblick in die Zukunft der Kommunikationsabteilungen?

Marion Schumacher: Die Trennung zwischen interner und externer Kommunikation halte ich für überholt, auch wenn viele Unternehmen heute noch so agieren. Strategische Botschaften zur Positionierung von Unternehmen und Marken müssen zunächst nach innen (bei Mitarbeitern) verankert werden, um danach externe Stakeholder zu erreichen. Mitarbeiter sind zugleich Botschafter eines Unternehmens bzw. einer Marke und nutzen oft dieselben Kommunikationskanäle.

Authentizität ist ein weiteres Stichwort, denn Botschaften müssen zur Marke passen. Je authentischer ein Unternehmen ist, seine Werte lebt und kommuniziert, desto nachhaltiger können Botschaften verankert werden.

Frau Schumacher, herzlichen Dank für das Gespräch.

Zur Person:

Marion Schumacher ist eine international erfahrene Kommunikationsfachfrau mit einem Executive Master of Science in Communication Management der Universität Lugano. Nach PR-Führungspositionen in der Hotellerie war sie als Leiterin Marketingkommunikation eines großen Schweizer FinTech Dienstleisters sowie als Leiterin Unternehmenskommunikation in einem Industrieunternehmen in Hannover tätig. Ihr Kommunikationsschwerpunkt liegt im Bereich Dienstleistung. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin.

Zur Person:

Cornelia Bohlen begleitet Fach- und Führungskräfte auf ihrem Weg der beruflichen Weiterentwicklung. Sie blickt auf mehr als 20 Jahre Berufserfahrung als Führungskraft und Personalerin zurück.

Als Dipl. Kauffrau und systemischer Coach ist sie seit 2012 mit ihrem Unternehmen BerufsLeben als HR-Beraterin, Personalentwicklerin sowie Businesscoach tätig.

 

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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