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Berufliche Neuorientierung: Vier Gründe, warum Sie Ihre Bewerbung besser nicht abschicken – Teil 4

Geschrieben von Cornelia Bohlen am in Allgemein, Bewerbungen, Blog, Erfolg im Beruf

Berufliche Neuorientierung ist nicht immer die richtige Wahl.

Teil 4 – Ist der neue Job ein fauler Kompromiss?

Stehen Sie vor einer beruflichen Neuorientierung?

Mit meiner Artikelserie „Vier Gründe, warum Sie Ihre Bewerbung besser nicht abschicken“ möchte ich Sie anregen, Ihre fertige Bewerbung noch einmal zu überdenken und für einen Moment zur Seite zu legen.

Fast täglich spreche ich mit Menschen, die sich Klarheit darüber verschaffen möchten, welcher berufliche Schritt der Richtige für sie ist. In der Tat sollten Sie sich gut überlegen, ob die offene Stelle oder das bereits vorliegende Jobangebot Ihren Vorstellungen entspricht. Aber welcher Kompromiss ist in Ordnung und wo fängt es an ungesund und ungemütlich zu werden?

Eine Frage, die sehr individuell zu beantworten ist. In dem nachfolgenden Artikel möchte ich Ihnen 3 Tipps geben, die Ihnen helfen, herauszufinden, ob der Kompromiss sich lohnt.

1. Was motiviert Sie den nächsten beruflichen Schritt zu tun?

Genau genommen geht es hierbei geht es um die Frage: Warum wollen Sie den Job wechseln?

Hauptsache raus aus dem alten Job, lautet häufig die Devise von vielen Menschen. Und damit beginnt auch schon das Dilemma. Was genau ist es denn, was Sie so unzufrieden macht.

Was ist der Grund für Ihren Jobwechsel?

Es gibt viele Untersuchungen, warum Menschen die Nase voll haben von ihrem aktuellen Arbeitgeber. Die Gründe sind immer die gleichen, auch wenn der Arbeitsmarkt und die prozentuale Verteilung sich permanent verändert.

Der häufigste Grund für einen Jobwechsel z.B. in der IT Branche ist das höhere Gehalt. Welcher Grund ist es bei Ihnen zu wechseln? Ist die Bezahlung ungerecht oder sind die Ziele unklar, intransparent und zu hoch gesteckt? Als besonders frustrierend erleben viele auch die mangelnde Anerkennung und Wertschätzung durch den Chef und der unkollegiale Umgang im Team. Hinzu kommt häufig das Gefühl, nur noch als Leistungserbringer aber nicht als Mensch mit ganz vielen Kompetenzen und Fähigkeiten wahrgenommen zu werden. Vielleicht fehlt Ihnen auch die Möglichkeit, sich innerhalb des Unternehmens weiterentwickeln zu oder es mangelt an Flexibilität, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen.

Welchen Grund auch immer Sie haben, es handelt sich dabei um die „weg von“ Motivation. Sie hilft Ihnen herauszufinden, was Sie STATTDESSEN wollen.

Mein Tipp Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit. Schreiben Sie auf, was genau Sie frustriert (z.B. mangelnde Anerkennung durch den Vorgesetzen, zu niedriges Gehalt, unflexible Arbeitszeiten). Wichtig hierbei: bewerten Sie nicht, was Ihnen in den Sinn kommt. Was passiert immer wieder, das Sie unglücklich im Job macht? Nun stellen Sie diese Liste auf den Kopf (nein, nicht wirklich) sondern verkehren alle genannten negativen Punkte ins Positive. Stellen Sie sich dabei den besten Job, den sie jemals hatten, vor oder wünschen sich diesen. Nun wissen Sie, was Sie brauchen, um motiviert zu sein.

Gehen Sie keine Kompromisse ein, wenn der neue Job eines Ihrer wichtigsten Kriterien nicht erfüllt, z.B. die Möglichkeit sich mit der neuen Aufgabe weiterzuentwickeln oder im Home Office zu arbeiten.

2. Warum stehen Sie morgens auf?

Jeder Mensch hat verschiedene Motive, die ihn antreiben, morgens aufzustehen. Der eine möchte viel Geld verdienen, Menschen führen oder die Verwirklichung seiner persönlichen Träume (z.B. eine Weltreise, ein Motorrad) voranbringen. Der andere möchte etwas Sinnvolles aus seinem Leben machen, etwas für andere tun, anderen helfen und Teil einer großen Gemeinschaft sein. Eine Zeit lang bin ich dafür aufgestanden, Karriere in einem Unternehmen zu machen. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich es erreicht hatte und das alleine nicht mehr ausreichte, um jeden Morgen motiviert aufzustehen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten Ihre Motive herauszufinden. Eine davon möchte ich Ihnen hier vorstellen. Psychologen aus der Positiven Psychologie haben herausgefunden, dass ein Grundelement von Freude und Zufriedenheit in unserem Leben u.a. der Einsatz unserer Charakterstärken sind. Mit dem Charakterstärkentest arbeite ich in fast allen meinen Coachings und prüfe mit meinen Kunden, ob sie diese Stärken in Ihrem Alltag leben können.

Ausgangsbasis bilden die 5 Tugenden der Menschheit, die bereits der Philosophen Aristoteles erwähnte: Weisheit und Wissen, Mut, Menschlichkeit, Gerechtigkeit, Mäßigung und Transzendenz (auch Sinn), denen 24 Stärken zugeordnet werden.

Der Test ermittelt Ihre persönliche Rangfolge der Stärken, z.B. Teamwork, Führungsfähigkeit, Kreativität und Liebe zum Lernen. Die ersten fünf ermittelten Stärken sind Ihre Signaturstärken. Diesen „Top 5“ sollten Sie Ihre besondere Aufmerksamkeit schenken und neue Wege herausfinden, wie Sie sie noch häufiger als bisher in Ihrem Alltag und vor allen Dingen in allen Lebensbereichen einzusetzen. Den kostenlosen Link zum SignaS Test finden Sie hier. Über weitere Möglichkeiten, herauszufinden, was Ihre Lebensmotive sind, habe ich u.a. in diesem Blogartikel geschrieben. Wenn Sie z.B. das Motiv Kreativität als eine Signaturstärke haben, werden Sie in einem Beruf, der sehr starre Strukturen hat, nicht glücklich werden. Ihre Freude wird dann auf Dauer darin bestehen, sich auf das Wochenende oder denn nächsten Urlaub zu konzentrieren. Darüber hinaus gibt es auch sog. Antreiber, die uns seit unser Kindheit und Jugend begleiten und häufig aus der Erziehung stammen. Hiermit beschäftigt sich der Blogartikel von Sascha Schmidt.

Mein Tipp Fragen Sie 5 Menschen in Ihrem Umfeld, was Sie gut können und was Ihre Stärken oder Talente sind. Bei was leuchten Ihre Augen, wenn Sie anfangen darüber zu sprechen? Jeder Mensch hat etwas, für das er brennt und womit er am liebsten seine komplette Zeit verbringen würde. Schreiben Sie alle Antworten untereinander auf und fragen Sie sich, gibt es einen roten Faden oder was haben alle Antworten gemeinsam? Ich bin sicher, Sie werden eine Verbindung finden, die Ihnen einen Hinweis darauf gibt, was Sie motiviert.

Nun fragen Sie sich, welche der genannten Motive werden im neuen Job erfüllt und welche nicht. Ist dieser Job ein Zwischenschritt oder bringt er sie gleich dahin, wo Sie hin wollen.

Finden Sie heraus, was Ihre wahren Lebensmotive sind und was Sie morgens aus dem Bett treibt, damit Sie dauerhaft zufrieden sind.

3. Welche Aufgaben erwarten Sie?

Viel wichtiger als die Aufgabe selbst, sei die richtige Arbeitsumgebung und die Zusammenarbeit mit dem Chef, las ich neulich in einem Blogartikel. Das teile ich so nicht. Was nützen Ihnen beide Kriterien, wenn Sie ein wie ich, z.B. eher kreativer Typ sind, der viel Freiraum braucht und einen Job machen, der Sie zu Tode langweilt? Oder wenn Sie im Team wie ein Fisch im Wasser schwimmen und ihre Einzelaufgaben Ihnen das Gefühl eines Pinguins an Land geben? Sie merken worauf ich hinaus möchte? Die Mischung macht es.

Klar ist, dass es in jedem Job Tätigkeiten gibt, die wir nicht lieben werden, aber das ist einen Kompromiss wert, wenn der Rest des Paketes stimmt. Permanente Unterforderung ist z.B. genau wie Überforderung ein Zustand, der auf Dauer krank macht.

Mit welchen Kompromissen Wirtschaftswissenschaftler, Ingenieure, IT-Experten oder Naturwissenschaftler heute leben, zeigen die Ergebnisse einer Studie, an der sich knapp 5.000 Berufstätige mit Hochschulabschluss und bis zu acht Jahre Arbeitserfahrung beteiligten. Demnach sind 35 Prozent der Ingenieure enttäuscht vom Gehalt und von den geringeren Aufstiegsmöglichkeiten. Jeder fünfte Naturwissenschaftler fühlt sich für den jetzigen Job überqualifiziert. Am häufigsten sind es Naturwissenschaftler, die diesen Kompromiss bereuen.

Mein Tipp: Prüfen Sie genau, welches Aufgabenpaket der neue Job bereithält. Wie hoch ist der Anteil der Aufgaben, die Ihnen liegen und wie hoch derjenigen, die Ihnen nicht liegen? Dazu nehmen Sie sich einen Bogen Papier und skizzieren ein Tortendiagramm für Ihren idealen Arbeitstag. Fassen Sie alle Tätigkeiten, die Sie in den letzten Wochen gemacht haben, zu Blöcken zusammen (z.B. Projektplanung, Kommunikation mit Kunden, Kollegen, Mitarbeitern, Terminplanung etc.) und tragen diese Blöcke als Tortenstücke ein. Danach bewerten Sie den zeitlichen Anteil dieses Blocks an einem Tag. Wenn Sie für alle Blöcke eingetragen haben, schauen Sie sich das Diagramm an und vergeben Prozente (z.B. 30% Ihres Tages verbringen Sie mit der Planung und Durchführung von Projekten oder mit der Kommunikation von Kunden). Jetzt stellen Sie sich Ihren idealen Arbeitstag vor und vergeben die Prozente so, wie es für Sie passend ist. Nun wissen Sie, auf was Sie bei den Aufgaben Ihres neues Arbeitgebers zu beachten haben.

Nehmen Sie nun Ihre Bewerbung nochmal zur Hand und fragen Sie sich: Mache ich zuviele Kompromisse? Wenn das Grummeln in Ihrem Bauch zu groß ist, lassen Sie besser die Finger von diesem Job. Es könnte eine Fehlinvestition werden.

Bleiben Sie dran!

Herzlich

Ihre

Cornelia Bohlen

 

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Cornelia Bohlen

cornelia_bohlenMit Berufs Leben hat Cornelia Bohlen einen neuen Coachingansatz geschaffen, mit dem jeder mehr Erfolg und Zufriedenheit im Leben erreichen kann.

Durch ihre jahrelange Erfahrung im Beruf wie als Coach und Trainer hat sie Ihr breites Wissen jetzt in drei Paketen gebündelt: entdecken. entwickeln. erleben.

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